Google hat am 28. Oktober 2026 Gemini 4 Carbon angekündigt, sein nach eigenen Angaben stärkstes KI-Modell mit Schwerpunkt auf Cybersicherheit und lang laufenden Agentenaufgaben. Allgemein verfügbar ist es noch nicht. Zunächst bekommen ihn ausgewählte Cyberabwehr-Teams, weitere vertrauenswürdige Partner sollen über das Fairwind-Programm folgen.
Primärquelle: https://blog.google/innovation-and-ai/models-and-research/gemini-models/introducing-gemini-4-carbon/
Was Google angekündigt hat
Google nennt Carbon „our strongest model“ mit starken Fähigkeiten für Cybersicherheit und lange Aufgabenketten. Google nennt Gemini 4 Argon als Vorgänger, das zwei Wochen zuvor gestartet wurde. Google will die Entwicklung schneller vorantreiben und die Schutzmechanismen parallel ausbauen.
Leistung: Intelligence Index und Vergleich
Der unabhängige Intelligence Index v5.0 von Artificial Analysis bewertet Carbon mit 59 Punkten, gemessen im Reasoning-Modus „high“. Die Vergleichswerte laut Artificial Analysis:
• Gemini 4 Carbon (high): 59 Punkte
• Claude Opus 5.5 (max with fallback): 58 Punkte
• GPT-6 Astra (max): 57 Punkte
• Gemini 4 Argon (high): 50 Punkte
Der Vorsprung gegenüber Claude Opus 5.5 beträgt damit einen Punkt, und die beiden Modelle laufen mit unterschiedlichen Reasoning-Stufen. Das ist ein knapper Vorsprung im Index, keine klare Überlegenheit.
Auch Googles eigene Tabelle zeigt nicht nur Vorteile. Bei OSWorld-2.1 (Offline-Teilmenge) liegt Claude Opus 5.5 mit 87,2 % vor Carbon mit 81,5 %. Bei Vals Index v2.2 liegt Carbon mit 70,4 % knapp vor Opus 5.5 mit 70,2 %.
Google nennt zusätzlich den WebDev Arena: Carbon gewinnt +89 Elo-Punkte und liegt bei 1768 Punkten auf Platz 4. Das ist eine Herstellerangabe.
Cybersicherheit: Herstellerdaten ohne Guardrails
Die Cyber-Ergebnisse stammen von Google. Laut Ankündigung wurden die externen Benchmarks ohne Guardrails ausgeführt. Die Google-Tabelle nennt diese Werte:
• SEC-bench Pro (Schwachstellen finden): Carbon 88,2 %, GPT-6 Astra 85,4 %, Gemini 4 Argon 83,4 %
• ExploitGym (Ausnutzbarkeit prüfen): Carbon 54,8 %, GPT-6 Astra 42,4 %, Gemini 4 Argon 42,0 %, Claude Opus 5.5 34,5 %
• CWE-bench (Lücken patchen): Carbon 71,0 %, GPT-6 Astra 68,0 %, Gemini 4 Argon 68,0 %, Claude Opus 5.5 67,0 %
Bei SEC-bench Pro führt die Google-Tabelle für Claude Opus 5.5 keinen Wert auf. Eigene Messungen gibt es nicht. Google berichtet außerdem von internen Tests, in denen Carbon unbegründete Behauptungen etwa halb so oft macht wie Argon. Auch das bleibt eine Herstellerangabe.
Zugang: noch nicht für alle
Google schreibt, Carbon werde ab dieser Woche einem Teil der Cyber-Verteidiger zur Verfügung gestellt und danach schrittweise weiteren Partnern über das Fairwind-Programm. Erst danach sollen Entwickler, Unternehmen und Verbraucher über die Produktoberflächen Zugriff bekommen. Google beteiligt sich nach eigenen Angaben am freiwilligen Testverfahren der US-Regierung vor der Veröffentlichung.
Für Unternehmen heißt das: Ein produktiver Einsatz ist derzeit nicht möglich. Wer planen will, sollte den öffentlichen Zugang und die Konditionen abwarten, bevor er Prozesse darauf aufbaut.
Einordnung
Carbon ist für Sicherheitsarbeit gedacht: Schwachstellen finden, ihre Ausnutzbarkeit prüfen und Lücken schließen. Im Gesamtindex liegt das Modell knapp vorn. Die Cyber-Werte sind Herstellerangaben. Wer das Modell testen will, sobald der Zugang breiter ist, sollte eigene Aufgaben mit echten Daten messen, bevor er den Zahlen vertraut.


